Zwischenmenschliches: Tatort Bühne

 

 

Anstand, Demut und Umgangsformen war gestern?

 

Der zunehmenden Verrohung sozialen Verhaltens wird im allgemeinen durch Medien, Politik und Prominenz immer mehr Beachtung geschenkt. Ob im Straßenverkehr, am Kassenband des Discounters, im öffentlichen Leben, es herrschen derzeit rüpelhafte Unsitten. 

 

Nicht neu, jedoch ebenso "fortschrittlich" im Anti-Höflichkeits-Prozess geht es auf den Bühnen und am FoH zu (Front of house = Mischerplatz). Wo einst nur die Großen der musikalischen Gilde ihren Tontechniker mitführten, so trifft man heute nahezu auf allen Bühnen bzw. am FoH den sogenannten Band-"Techniker" an.

 

Ankunft der Band.

Während die fleißige(n) Kollege(n) eines Verleihers nur noch kleine Arbeiten verrichten, versammeln sich die Neuankömmlinge oft grußlos auf der Bühne, drehen sich einmal im Kreis und plötzlich schiebt einer den ersten Monitor auf eine andere weit entfernte Position, ohne darauf zu achten, ob das Kabel irgendwo fest hängt. Dann die typische Pose: Schuh hart, mittig auf das neue, unverkratzte Frontgitter des Wedges. „Hm, geht gerade so“, zeugt ein mürrisches Gesicht. Ein anderer fordert forsch: "Hier muss eine Dreifach-Steckdose her", und tippt mit dem Fuß auf die besagte Stelle (ca. 1/2 Meter neben dem vorverlegten Schukoverteiler!). Der nächste Freundliche schaut zur Backtruss empor und meint kurz und klar: "Da muss unser Banner ran, brauche Gaffa". Schnell zur anderen Bühnenseite (der Bühnentechniker soll schließlich keinen Speck ansetzen) Ein Gitarrist wühlt in einer Selbstverständlichkeit im XLR-Kabelcase herum auf der Suche nach einem Klinkenkabel usw. usw.....und immer noch kam es zu keiner Begrüßung!

Der eigentliche Clou ist der, dass der Bandtechniker unaufgefordert am Pult kräftig schraubt, so dann die Fader auf Haltbarkeit prüft, in dem er diese von oben nach unten blitzartig herunter klatscht, darauf die Druckschalter mit hoch ausholendem Finger auf Durchschlag eicht. Soll ja später alles lässig/cool vor dem Publikum aussehen. Spricht man diese Unart an, hängt der Haussegen am kompletten Abend schief.

 

Es ist einfach erschreckend, wie mit fremdem Eigentum umgegangen wird. Was steckt da nur für ein Gedankengut dahinter oder ist es einfach nur Achtlosigkeit? Die Darbieter und Techniker haben nicht den Schaden. Ein Regio-Verleiher hat keine unendlichen Ressourcen, um für Reparaturen aufzukommen und möchte genauso Gewinn machen wie alle anderen in der Berufswelt.

 

Leider sind diese und/oder ähnliche Szenarien keine Einzelfälle. Die Zunahme ist deutlich. Alter und Bekanntheitsgrad machen kaum Unterschiede. Glücklicherweise gibt es noch viel Licht am Himmel, der den Spaß an der Arbeit nicht verdirbt.

 

Im Grunde ist ein gelungener Arbeitstag ganz einfach. Mein Tipp:

Liebe Musiker & Anreisende, geht ganz locker auf die Techniker zu, begrüßt sie kurz mit Euren Namen, atmet durch und äußert danach Eure Bedürfnisse und Wünsche. Ihr werdet sehen, jede anwesende Arbeitskraft wird mit viel Engament zur Seite stehen. Verlorene Zeit, z.B. wegen Verkehrsstau usw. holt man mit Spaß und guter Zusammenarbeit mehrfach wieder rein. Eine gute Atmosphäre erfreut den manchmal nervösen Veranstalter ungemein. Wir verfolgen doch alle das gleiche Ziel: einen tollen Gig - zufriedene Gäste - ein nettes Wiedersehen.

 

Im doppelten Sinn: der gute Ton macht die Musik.

 

Wir hatten doch alle eine gute Kinderstube wink

 


 

 

Mischmasch

 

Es wird überhaupt kein Tontechniker mit Abschluss, Urkunde und Stempel erwartet. Ist auch auf den meisten Bühnen/Konzerten/Events nicht nötig. Viele Bands sehen jedoch einen eigenen Bandtechniker (Abk. BT) als unumgänglich. Ohne ihm geht rein gar nichts. 

Zugegeben, es gibt Ausnahmen an BT jeglichen Alters, über deren handwerkliches Geschick und fertigen Mix ich aktuell bis heute noch positiv staune. Meiner Bewunderung hierzu äußere ich gerne ohne Vorbehalt und lasse es den gutem Mann – die gute Frau vor Ort gerne wissen.

 

Doch muss eine kleine Standard-Band mit folgender Backline einen BT stellen: (?)

 

- 1x Main Vocals

- 0-4x Back Vocals

- 2x Gitarre 

- 1x Bassgitarre

- Drumset

- evtl. 1-2x Keyboard 

 

Glauben Bands und BT etwa, der Verleiher ist ein Aufsteller/Anschließer von Brüllwürfeln und verlegt nur schwarze Kabel? Oft wird er als das persönliche Arbeitspferd des BT angesehen und verhält sich wie ein Vorgesetzter aus dem vorherigen Jahrtausend.

 

Es wird vergessen, dass ein Verleiher sein eigenes System/Material im Laufe vieler Anwendungen bestens kennt. Angefangen von Pult, PA über Mikrofone und allgemeiner Leistungsaufnahme und -abgabe der Systeme. Dadurch wird auch meist ein zügiger Soundcheck abgearbeitet (oft reicht nach dem Einpegeln/Entzerren ein kurz angespielter Song)- sehr zum Wohle der Musiker, die sich lieber im Backstage-Room zur aufgetischten Pizza ohne Salat zurück ziehen. 

Dass ein Check länger dauert, hängt eher von den Wünschen ab, was die Musiker alles auf dem Monitor haben wollen/müssen. Ein seperates Monitorpult ist natürlich von Vorteil, um die Bedürfnisse schneller zu regulieren. Das Externe + der Splitter mit entsprechendem Personal passt nicht immer ins Budget des Anmieters.

 

Sehr wichtig für einen reibungslosen Ablauf: Backline, Instrumente sind stimmig und von ordentlicher Qualität, die deshalb nicht zwingend teuer sein müssen. Vor allem die Disziplin der Musiker fördert einen raschen Ablauf. Nicht selten werden für das Szenario „Check“ leider 1-3 Stunden an Zeit verbraten. Ich erinnere: für die Standard-Band! Der Verleiher kennt meistens seine, vor allem digitale Pulte, wegen des öfteren Umgangs besser. Er weiß, wo welche Effekte geroutet sind, wo Retourns/Aux/Groups/Matrix/Mutes usw. ihren Platz haben. Selbstverständlich wird das Pult dem BT im Crash-Verfahren erklärt.

 

Viele Veranstalter kommen während der Show zum Regio-Verleiher ihres Vertrauens und

meinen, „Bitte sag dem BT, er soll dies oder jenes ändern, die Gäste beschweren sich“.

Das Thema „Gäste und Beschwerden“ will ich auf keinen Fall an dieser Stelle aufgreifen. Das würde sämtliche Zeitrahmen beim Lesen sprengen. Den BT muss ich zugleich in Schutz nehmen, denn egal wie gut er oder das Personal vom Verleiher mischen, einer der Gäste kann es vermeintlich besser...

Ich persönlich mische mich beim Mischen des Mischers nicht ein (musste sein :-))

 

 

Inzwischen legen manche Veranstalter ein Veto bei den Technical-Riders ein, worin steht,

„Der BT hat im vollen Umfang Eingriff auf das Mischpult“... (weiter)...“Dies ist ein Bestandteil des Vertrages“! Besser 2x !!

Doch wenn es auch ohne Verträge zu Werke geht, meint der BT oftmals, er habe das „Recht“ auf die Nutzung des Pultes. Ist er freundlich, wie einigermaßen korrekt und zügig beim Mix, lässt man natürlich gerne gewähren. Letzteres ist nicht unwichtig, da vor Einlass der Gäste schließlich alle gerne ihren Soundcheck haben wollen. Nun möchte aber ein BT die Zuordnung der Kanäle anders gestalten, meist in der Reihenfolge, die in der Überlieferung so alt, wie Adam und Eva gemeinsam tonnerweise Äpfel verspeisten, nämlich ab Kanal 1 mit dem Schlagzeug beginnend: BD, SN usw... Ich verstehe das Problem nicht, bei dem heutzutage die meisten Digital-Konsolen schöne, bunte Displays zum Beschriften integriert haben(?) Ob nun das Drum bei Kanal 12 beginnt oder sogar ein eigens Layer/eigene Seite hat, dafür braucht es denn nun wirklich keine Gewöhnungszeit. Insgesamt kostet das selbstredend Zeit.

 

 

Ein kleiner Appell zum Ende.

 

Bitte liebe Techniker von Bands, Verleiher (und ich schließe mich ebenfalls ein):

Vermeidet arrogantes/selbstgefälliges Auftreten gegenüber anderen Mitarbeitern, die rund um die Bühne beschäftigt sind und ihr Bestes geben.

 

Wir haben eine schöne "Tätigkeit" und sind beruflich gesehen nicht das Salz der Erde!

 


 

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