Rund um die PA Technik.

 

 

Brautschau – oder, wie teste ich meine „Zukünftige“.....Lautsprecherbox?

 

 

Nun wurde ich bereits des Öfteren gefragt, mit welcher Methode ich neue

Lautsprecherboxen/Topteile teste und unter welchen Kriterien der Kaufentscheid entsteht smilie-fragend.

 

Vorab gilt es zu unterscheiden, welche bauartlichen Komponenten in Frage kommen, bzw. für welches Einsatzgebiet die Lautsprecherboxen ihren mitunter lauten Dienst verrichten sollen. Sehr wichtig heute dabei ist der übliche DSP-Controller in den Endstufen oder aber auch in den Endstufen-Modulen, den sogenannten “Aktiv-Boxen“.

 

Auf digitale Signalprozessoren via WLAN-Schnittstelle/Wi-Fi und Vollparametrie für Entzerrungen kann ich im mobilen Einsatz weitgehend locker verzichten. So mancher Technik-Fan fadet unter Schaulustigen in gewöhnlichen Räumlichkeiten auffällig gerne an IPAD & Co herum. Hierbei ist das Ergebnis oftmals eine Verschlechterung gegenüber der Werkseinstellung. Hinter einer 4000.-EURO und noch teureren Box, stehen gute Entwickler! Wer aber seine Topteile gerne oder öfter fliegt, dem dürfte die anpassbare Lauftzeitkorrektur gut schmecken. Sind die Lautsprecher dem Raum entsprechend gut ausgerichtet, dann ist das bereits mehr als die halbe Miete.

 

Mir reichen die werkseitigen Filterfunktionen aus, wie: Flat/Monitor/Boost/Hi/Sattelit/Countour/Sidefloor-Coupling und wie sie sonst so heißen. Unverzichtbar ist ein guter, sanft einsetzender, auch optischer Limiter (auf dieses Thema gehe ich noch gesondert ein).

Meine Meinung ist: eine ordentliche Lautsprecherbox sollte ohne klangverändernden Eingriff auf Anhieb gefallen!

 

 

Nun, wie also teste ich meinen „Traumpartner“ - wie vollziehe ich die „Ehe“ im Showroom?

 

Backmischung individuell:

a) ich nehme Konserven von zweifelhafter Qualität

b) einen berühmten Oldtimer

c) ein altes Arbeitspferd

Mit diesen Utensilien reise ich zum Wallfahrtsort meiner Wahl in der Hoffnung, mit der Mischung etwas gebacken zu kriegen.

 

Nicht falsch verstehen, ich versuche kein Pferd mit experimentellen Zutaten in eine Konserve zu bringen. Viel mehr erhoffe ich meine ganz persönliche Offenbarung zu finden, nämlich D&S (Druck und Sound).

Technische Übersetzung des Rezeptes:
a) mp3 Tonträger von sehr bescheidener Qualität
b) das Urgestein auf der Mikrofonklammer, ein Shure SM58 (welches mein Regal nur als Souvenir ziert) + mein gängiges Vocal-Mic. Sennheiser e845 und e935
c) eine kräftige multifunktionale Lautsprecherbox: z.B. RCF TT25A

 

      cd-1  +  mic-1  +  box + taxi = sekt

Meist ist es so, dass Vertreiber oder Händler spezifisch, tolle Einspieler/Titel in höchster Qualität und Güte zur Verfügung stellen. Die aber nutze ich höchstens, wenn überhaupt, am Ende der Vorstellung. Eine Box schön reden kann ich selbst und zwar zuallererst mit dem Vehikel aus dem letzten Jahrtausend, dem SM58. Pult-EQ auf Flat (was für das Shure eine mächtige Herausforderung ist!). Und es wird rein geplappert und möglichst wenig gesabbert. spucken-1 Einen auflösend schönen Sound erwarte ich nicht mit dem Dingens an Mikrofon...(möchte es mir nicht ganz bei den 58er-Anhängern verscherzen :-)) und ich regle mit der Parametrie etwas ab, meist zwischen 400-600Hz und setzte zudem einen Low-Cut bis 100-120Hz. Spätestens jetzt sollte im Ergebnis etwas mehr „Frische“ sein. Zumindest ohne begleitende Instrumente.

 

Ist der Punkt mit dem Mikrofon-Modell aus der Zeit der Grammophone einigermaßen vertretbar, geht es mit den Mikrofonen weiter, die ich üblicherweise zur Arbeit einsetze. Mit diesem eigenen Referendum muss mir der Klang nun gefallen, es darf auch am EQ geschraubt werden. Doch Klang ist nicht alles - ich möchte Durchsetzungsvermögen. Dazu geselle ich jetzt ein fröhliches Liedchen aus der groovigen Trash-Metal Ecke.

Die zu testende Box lasse ich knapp unterhalb des Limiters kreischen, was das Zeugs hergibt. Nun nehme ich wieder mein mittelmäßiges gewohntes Arbeitspferd e845 in die Hand (Stativ vergessen) und probiere über den ohrenbetäubenden Lärm durchzustechen. Ich rede zuerst unwichtiges Zeugs (außer: „one-two-check...“) dann singe ich in englisch, anschließend deutsch und alles muss "verständlich" sein (Schwabe in Baden lebend - Eltern aus Sachsen/Vogtland...) Passt das, dann klappt das mit den meisten Begleitinstrumenten ohnehin gut.

 

Als Konserven-Musika verwende ich gerne Bluegrass Music, wegen des schwierigeren

Kontrabasses und den vielseitigen Akustikas (vor allem beim Subwoofer-Test). Auch ein kräftiger Chor ala Schwarzmeer Kosaken höre ich gerne ab.

 

Warum ich die eigene Box dabei habe?

Meist umsonst. Sie dient eigentlich nur zwecks Pegel im direkten Vergleich, quasi als db-Messlatte. Doch lieber registriere ich 1-2db weniger Leistung und habe dafür genug Klang mit effizienter Leistung im Nutzbereich und geringem Klirrfaktor, bis zum schleichenden Einsatz des Limiters.

 

Wie so vieles im Leben ist alles Geschmackssache. Für Bands, die sich eine eigene PA zulegen möchten, würde ich empfehlen: nehmt eure(n) Sänger/in mit und dreht ihn/sie so richtig durch die Mangel. Hört man bei donnernden Black-Metal smilie-band-1 das A vor dem O, so lässt es hoffen...

 

Übrigens. Gute Companys stellen gebrauchte PA-Systeme für einen gewissen Zeitraum zur Verfügung ;-)

 

 

Robert Gerbert grüßt


 

 

Was braucht der Mensch wirklich?
 
a) ein- bis mehrere Beziehungen?
b) eine Flasche Jacky?
c) Mindestens 8 Monitor-Wege für 7 Musiker? (Ironie;-)

 

Nun, ein "ambitionierter" Musiker könnte evtl. an jedem Punkt seinen Gefallen finden. Betritt er aber die Bühne zum Check, dann wählt er unmissverständlich C). Er will seinen ganz eigenen Sound, will das für sich Relevante hören. Gleichzeitig isoliert er sich in seine eigene Klangwelt auf 2-3 Quadratmetern, da abseits des am Boden liegenden Wedges kein vernünftiger Sound mehr ist.

So weit so gut.

 

Folgendes Szenario ist zum Glück nicht alltäglich.

Fragt der Tontechniker, was er denn alles auf seinem Monitor braucht?,

kommt meist die Antwort: "alles, von allem etwas"! Sprudeln dann alle angeforderten Klankkünstler aus der am Boden liegende Holzkiste heraus, dann gestikulieren wild Hände, Arme und Gesicht wild und entsetzt umher. Oft in der Reihenfolge, z.B. bei einem Bassisten/Gitarristen inkl. Sänger:

 

a)  Git.A guitarist-1hört sich ÜBERHAUPT nicht! (Anmerkung: „Die übliche Aussage, trotz Doppelstack von je 4x12 Marshall im 3/4 Lastbetrieb oder dem schon abkotzenden   8x10 Ampeg des Bassisten, der längst kein Bassfundament mehr reproduziert, sondern nur noch Gedöhns und somit in jedem benachbartem Mikrofon sich wortwörtlich "einmischt", sehr zum Leidwesen des Gesamtsounds der Front-PA“).

b)  Des Sängers  music342-001 Zeigefinger mit großer Dringlichkeit nach oben zeigt, obwohl er noch nicht dran ist...

c)  Git.A braucht mehr Git.B bei sich. 

d)  Git.B braucht mehr Git.B bei sich. 

e) Basser will....klar doch, mehr Bass, obwohl sein ausgereitzter Amp. als Toaster dienen könnte.

f)  Git.A will nun doch keine Git.B. mehr, aber sich dafür noch lauter.

g)  Git.B will.....man ahnt es schon....

h)  Drummer will um Himmelswillen keine Gitarren!!!

i)  Sänger resigniert noch immer nicht: Zeigefinger oben

j)  zusammenfassend: Git.A und B will.....egal....hehe

k)  Sänger tippt auf dem Handy rum...

l)   Basser läuft unentwegt zwischen seinen 8x10 und seinem Monitor hin und her.....("wo ist es am heftigsten")

m)  Drummer legt einen Hörschutz an...

n)  Sänger entschließt sich für einen Toilettengang, ich schließe mich.

In der "Stille" (Gitarren duellieren sich weiterhin) des Nebeneinanders meint er urplötzlich: „Super Sound“???!

 

 

Geht nicht anders?     Aber ja doch!!! 

Die Älteren unter uns erinnern sich noch, als auf mittelgroßen Bühnen 4 x potente Wedges und ein Drumfill als Standard galt und analoge Mischpulte oftmals nur 4-6 Aux-Wege besaßen. Mischpulte ab 8-Aux waren schlichtweg für viele Anwender unerschwinglich. Nun konnten ja nicht alle Aux-Wege mit Monitor-Wegen verbraten werden, weil zumindest der Sänger 1-2 Effekt-Wege in Anspruch nahm, evtl noch Hall für Drums. Jetzt muss eine schwäbische Biene gut haushalten:

- alle Wedges 1-Weg + Drumfill Weg 2 (Pult 3-4 Aux) = ok

- 4 Wedges auf 2-Wege + Drumfill für Aux 3 = toll

- Luxusvariante war 3-Wege für 4 Wedges (beide mittl. auf 1xAux) = boah...

 

So ungefähr war der Bühnenalltag: Waren anteilmäßig mehr Musiker einer Rock/Popband auf der Bühne als vorhandene Monitore, so brach keine Panik aus und die Laune sackte wegen so einer Kleinigkeit nicht ab. Man arrangierte sich ganz einfach. In den Refrains sangen zwei Instrumentalisten zusammen über ein Voc-Mikrofon und der Keyboarder hörte genug in 1,47...m Abstand vom nächst liegendem Monitor oder hatte seinen eigenen Aktiven dabei. 

Ich bewundere immer wieder die Disziplin hoch professioneller Bands u.a. im Bluegrass Bereich. Diese wollen nur einen Weg mit so-und-so-vielen Monitoren! Die Lautstärkeregulierung der akustischen Instrumente, auch die der Back-Vocal's, erfolgen nur über Abstand. Egal wer ein Solo hinlegen möchte, ob Git/Banjo/Geige/Dobro usw., er geht auf das Mikrofon + Monitor nur so weit zu, bis er sich leicht vom Gesamtsignal abhebt. Ein gutes Kondensatormikrofon ist voraus gesetzt. 

PA Sound und Monitorsound  ist quasi 1:1 Der Techniker kann eine ruhige Kugel schieben.

 

Natürlich lässt sich das mit einer Rock, Pop und Bigband nicht duplizieren. Bin auch kein Verfechter von allen alten Brauchtümern. Nein. Das Beispiel soll nur als Anschauung dienen, wie gute Musik gepaart mit disziplinierter Gruppendynamik den Hörer positiv erreicht.

 

Heute.

Meine am Herzen liegende Hausband (vom Blog-Archiv: Tournee 2019)

ohne eigene Backline (nur gute Tretminen) und zwischenzeitlich immer mehr Nachzügler gehen mit mir einen Schritt "zurück". Mit nur zwei potenten Sidefills, die seitwärts im Hintergrund (L/R auf 2-Wege) schräg mit etwa 45 Grad zur Bühnenmitte gedreht sind, beschalle ich die gesamte Bühne bei Bedarf richtig laut und mit entsprechender Subwoofer Unterstützung auch unverwaschen kraftvoll. Meist möchte nicht mal der Schlagzeuger einen separaten Monitor, weil Verständlichkeit und Kick gleichermaßen sein Gehör finden. Gute Qualität der Sides ist äußerst wichtig, damit die heimtükischen, bereit stehenden Feedbacks auf keine dummen Gedanken kommen.

 

Nebeneffekte Plus:

- Die Musiker lieben inzwischen nicht nur, wie oben gelistet a/b/c, sondern auch die sprichwörtliche Freiheit auf der Bühne. Egal wo hin sie sich bewegen, der Sound ist fett. Bei Bands, die ich bereits länger verfolge bzw. bei denen ich in Dienstleistung bin, entdecke ich einen zunehmend größeren Aktionsradius/Beweglichkeit + resultierende Spielfreude. 

- Erhebliche Verkürzung des Soundchecks.

           - Je nach Bühnengröße/PA-Platzierung, muss kein Nearfill aufgestellt werden. 

 

Minus: Ich kann weniger in Rechnung stellen, wie bei einem großen Monitorring (6+1 und mehr...) Dafür mehr Genuss bei der Arbeit. Ist es mir wert. 8-2


Robert Gerbert grüßt

 

 

 

 

 

 

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